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20.10.2020

Krankenhaus Crivitz kommt in kommunale Verantwortung

Landkreis Ludwigslust-Parchim und MediClin-Konzern verständigen sich auf Eigentümerwechsel zum 1. Januar 2021 / Landrat Sternberg: Wichtiger Standort im ländlichen Raum bleibt erhalten

2020-10-20 Krankenhaus Crivitz
Zum 1. Januar 2021 soll das Krankenhaus in Crivitz in kommunale Verantwortung kommen. © Landkreis Ludwigslust-Parchim

Die aktuelle Finanzierungslage für kleine Krankenhäuser im ländlichen Raum trifft alle Klinikbetreiber gleichermaßen. Dies gilt auch für private Klinikbetreiber. Für den Krankenhausstandort Crivitz in Gänze bedeutete dies seit Jahren Verluste, die nur im Konzernverbund ausgeglichen werden konnten. Dies war verbunden mit einem Fachkräftemangel Anlass für den MediClin-Konzern als Gesellschafter der Krankenhaus Crivitz am See GmbH an den Landkreis Ludwigslust-Parchim heranzutreten, ob Interesse an der Übernahme der Anteile besteht.

Vor diesem Hintergrund hatte der Kreistag Ludwigslust-Parchim am 4. Juni 2020 den Landrat ermächtigt, entsprechende Verträge auszuhandeln, die einen Erwerb von Gesellschafteranteilen der Krankenhaus am Crivitzer See GmbH sicherstellen.

Nach langen Vertragsverhandlungen liegt nunmehr ein im Wesentlichen beurkundungsreifer Vertragsstand vor. Demnach wird der Landkreis als Käufer zum 1. Januar 2021 die Geschäftsanteile an der Krankenhaus am Crivitzer See GmbH erwerben. Der Geschäftsbetrieb wird durch diese Gesellschaft fortgeführt, nur in wirtschaftlicher Verantwortung des Gesellschafters Landkreis. Die Arbeitsverhältnisse und alle bestehenden Verträge mit Dritten bleiben ungehindert bestehen. Auch für die Patienten wird sich nichts ändern.

Kernelemente der Übernahme, zu deren Vertragsdetails bis zur Beurkundung Stillschweigen vereinbart wurde, sind ein symbolischer Kaufpreis, eine vollständige Entschuldung von bisher durch MediClin zur Aufrechterhaltung des laufenden Betriebes gewährten Darlehens, das Vorhandensein eines positiven Eigenkapitals und die Garantie für das Nichtvorliegen von Insolvenzgründen. Weiter wurden von Mediclin umfangreiche Garantieerklärungen für die Werthaltigkeit der Zusagen gemacht.

„Ich freue mich, dass es in langwierigen und harten Verhandlungen gelungen ist, den Weg zur Rekommunalisierung des Hauses in Crivitz zum 1. Januar 2021 zu gewährleisten. Damit ist ein Stück des Weges beschritten, damit dieses Haus als wichtiger Standort in der stationären Versorgung vor Ort insbesondere auch in der Notfallversorgung gesichert ist“, so Landrat Sternberg.

„Der private Verhandlungspartner erwies sich dabei im Laufe der Verhandlungen als seriöser und um die Versorgung der Patienten bemühter Verhandlungspartner. Es hat sich aber auch gezeigt, dass der Teufel im Detail liegt und Gründlichkeit vor Schnelligkeit geht. Insofern freue ich mich, dass wir am Ende ein Vertragswerk schnüren konnten, dass auch den wirtschaftlichen Hintergrund für eine erfolgreiche Startphase in 2021 bietet und die Interessen des Landkreises und letztlich der Steuerzahler hinreichend absichert“, fasst Landrat Sternberg den Verlauf und das Ergebnis der Vertragsverhandlungen zusammen.

Um den Krankenhausstandort Crivitz zukunftssicher zu machen, hat der Kreistag den Landrat per Beschluss vom 4. Juni 2020 gebeten, einen geeigneten Partner zu finden, der betriebswirtschaftliches und medizinisches Wissen mitbringt. Daher gilt es nun, das begonnene Verfahren zur Suche nach einem möglichen Partner für den praktischen Betrieb zu Ende zu führen und mit dem Interessenten hierzu weiter ins Gespräch zu kommen. Auch gilt es die Zusammenarbeit mit dem Westmecklenburg Klinikum Helene von Bülow GmbH – hier hält der Landkreis 50 Prozent der Gesellschafteranteile – in Form von medizinischen Kooperationen vorzubereiten. Hier bieten die Bereiche der Orthopädie an beiden Standorten, die in Hagenow entwickelte modulare Schmerztherapie sowie die Geriatrie am Standort Crivitz mögliche Felder für ein gemeinsames medizinisches Angebot.

Neben der Schärfung der medizinischen Konzeption werden in den nächsten Tagen die Modalitäten der Finanzierung von Zahlungen an MediClin aus zugesagten Landesmitteln im Vordergrund stehen, da dies Voraussetzung für die Beurkundung ist. Weiterhin wird der Landkreis mit aller Kraft den Übergang zum 1. Januar 2021 so vorbereiten, damit der Betrieb nahtlos fortgesetzt wird. „Hier gehört es aber zur Wahrheit dazu, dass die Übernahme des Krankenhauses so erfolgt, wie es aktuell betrieben wird. Das heißt: ohne aktive Geburtsstation. Hier wird die weitere medizinische Konzeption zeigen, welches Angebot im Bereich der Geburtsvorsorge und -begleitung am Standort Crivitz medizinisch vertretbar wieder entwickelt werden kann“, sagt Landrat Sternberg.

Hintergrund:

Die Krankenhaus am Crivitzer See GmbH wird zurzeit als Klinikum der Grund- und Regelversorgung mit insgesamt 74 Patientenbetten betrieben; alleiniger Gesellschafter ist derzeit die MediClin AG. Seit der Wende besteht das Klinikum als Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Gesellschafter waren damals die Stadt Crivitz und der Landkreis Schwerin-Land, später der Altkreis Parchim; am 1. Januar 1997 wurde das Crivitzer Krankenhaus privatisiert.