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Geflügelpest erreicht Ludwigslust-Parchim 

Ausstellungen sind bisher Ausgangspunkt für Seuchengeschehen / Landkreis weist Beobachtungsgebiet in Teilen der Gemeinde Ganzlin aus / Fachdienst Veterinär- und Lebensmittelüberwachung des Landkreises rät dringlich zu Schutzmaßnahmen für Hausgeflügelbestände im gesamten Landkreis                                        Stand: 08.12.2022 

 In den vergangenen Tagen kam es zu zahlreichen Geflügelpestausbrüchen in Hobbytierhaltungen, insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern. Durch die hohen Tierverluste werden erhebliche materielle und auch ideelle Schäden verursacht. Ausgangspunkt waren mehrere Geflügelausstellungen mit hochwertigem Rassegeflügel an verschiedenen Orten des Landes Mecklenburg-Vorpommern und auch des Landkreises Ludwigslust Parchim.

Die Bestände, die als Kontakt ermittelt wurden, stehen unter amtlicher Beobachtung und sind gesperrt. Sofern es in diesen Beständen nicht zu einem Ausbruch der Geflügelpest kommt, kann frühestens 21 Tage nach Beginn der Beobachtung der Bestand klinisch und mittels Laboruntersuchungen untersucht werden, bevor eine Freigabe erfolgen kann.

Leider ist die Seuche bereits in mehreren Haltungen ausgebrochen, 13 Bestände von privaten Züchtern mussten getötet werden. Bisher handelt es sich ausschließlich um Haltungen von Rassegeflügel, die nachweislich auf einer der betroffenen Ausstellungen waren. Nach entsprechender Risikobewertung hat der Landkreis Ludwigslust-Parchim bis jetzt von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, unter bestimmten Voraussetzungen auf die Einrichtung von Sperrzonen zu verzichten.

Auch im Landkreis Prignitz kam es nach einer Ausstellung zu einem Ausbruch der Geflügelpest. Das hier festgelegte Beobachtungsgebiet (Überwachungszone) reicht bis in Teile der Gemeinde Ganzlin im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Da in diesem Bereich mehrere Haltungen bereits unter Beobachtung gestellt wurden, weil sie ebenfalls Tiere im Landkreis Prignitz ausgestellt hatten, konnte in diesem Fall nicht vollständig auf eine Einrichtung einer Restriktionszone und Mindestanforderungen verzichtet werden. Eine entsprechende Tierseuchenbehördliche Allgemeinverfügung hat der Landkreis am  06.12.2022 veröffentlicht.

In seiner letzten Risikoeinschätzung hat das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) das Risiko einer Ausbreitung der Geflügelpest bei Wildvögeln sowie einer Übertragung auf Geflügel und gehaltene Vögel in Deutschland als hoch eingestuft. Der Vogelzug ist in vollem Gange, der Wildvogelbesatz in Rastgebieten wird weiter zunehmen. Im landwirtschaftlich geprägten Landkreis Ludwigslust-Parchim sind neben abgeernteten Maisschlägen auch auflaufende Winterkulturen als reizvolle Futterflächen anzutreffen. Auch durch aasfressende Vögel ist eine Verschleppung zu befürchten. Die kühlen Temperaturen und die schwächere UV-Strahlung begünstigen zusätzlich ein Überdauern der Viren in der Umwelt. Die Seuchengeschehen der vergangenen Jahre zeigen, dass Ausbrüche im Hausgeflügel-Bereich auch in Regionen festgestellt wurden, in welchen zuvor wenig oder keine Fälle bei Wildvögeln beobachtet wurden. Die Gefahr der direkten und indirekten Kontakte von Wildvögeln zu Hausgeflügel ist erhöht.

Der Fachdienst Veterinär- und Lebensmittelüberwachung des Landkreises Ludwigslust-Parchim fordert daher alle Geflügelhalter noch einmal auf, alle notwendigen Biosicherheitsmaßnahmen strikt einzuhalten, um die Geflügelpest nicht in die Bestände einzuschleppen. Soweit Veranstaltungen mit Geflügel in einzelnen Landkreisen überhaupt noch zulässig sind, sollte sich jeder Tierhalter mehrfach überlegen, ob er seine jahrelangen Zuchtbemühungen in diesem Jahr diesem Risiko aussetzen möchte.

Es gilt für Geflügelhalter:

  • Verhindern Sie jeglichen direkten und indirekten Kontakt zwischen Wildvögeln und Hausgeflügel
  • Tränken und füttern Sie nur an Stellen, die für Wildvögel nicht zugänglich sind
  • Tränken Sie Ihr Geflügel nicht mit Oberflächenwasser, zu dem Wildvögel Zugang haben
  • Halten Sie eine strikte Trennung von Straßen- und Stallkleidung ein, insbesondere das Schuhwerk betreffend
  • Gegenstände oder Materialien wie Schubkarren oder Einstreu stellen eine Gefahrenquelle dar. Reinigung und Desinfektionsmaßnahmen oder eine wildvogelsichere Lagerung minimieren die Gefahr
  • Zäunen Sie Hofteiche weiträumig aus
  • Lassen Sie erhöhte Tierverluste durch einen Tierarzt abklären oder informieren Sie das Veterinäramt
  • Melden Sie Todfunde oder auffälliges Verhalten bei Wildvögeln umgehend dem Veterinäramt
  • Beim Veterinäramt sind jegliche Tierbestände von Geflügel, Rind, Schwein, Schaf, Ziege, Pferd und Bienen spätestens mit Aufnahme der Tierhaltung zu melden (Formular auf der Homepage des Landkreises)

Bei fachspezifischen Fragen stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Fachdienstes Veterinär- und Lebensmittelüberwachung des Landkreises Ludwigslust-Parchim zur Verfügung (03871 722-3901). In Notfällen ist über die Leitstelle Westmecklenburg 0385 50000 der Bereitschaftsdienst der Amtstierärzte erreichbar.

Merkblatt “Nutzgeflügel Schützen“ (Quelle Friedrich-Löffler-Institut)


Geflügelpest Restriktionszonen nach Ausbrüchen bei Hausgeflügel im Nachbar-Landkreis Prignitz