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Zeitungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts - Teil 6

Unsere sechste und vorerst letzte Zeitung in dieser Beitragsreihe wurde fast 60 Jahre nach der letzten veröffentlicht. Es handelt sich um die „Parchimer Zeitung – General-Anzeiger für Süd-Mecklenburg“, Nummer 208 vom Freitag, dem 05. September 1924, aus dem 33. Jahrgang.

Die Parchimer Zeitung erschien täglich mit Ausnahme des Tages nach den Sonn- und Festtagen.

Die Preise dieser Ausgabe unterscheiden sich natürlich von denen früherer Zeitungen, alleine schon, da nun andere Währung verwandt wurde.

Der monatliche Bezugspreis belief sich auf „1,60 Goldmar[k] freibleibend.“ Für Anzeigen wurden erhoben:

„Die 6gesp. Petitzeile od. der. Raum 10 Goldpfg.“ von Außerhalb 15 Goldpfennig. Für Werbung galten folgende Preise: „Die 3gesp. Petitzeile 40 Goldpfg.“ Die Preise bezogen sich auf den amtlichen Goldmarkkurs des Tages an dem bezahlt wurde.

Die linken zwei-Drittel der ersten Seite bestehen aus Nachrichten von Deutschland und der Welt und das verbleibende Drittel aus Lokalnachrichten. Diese Lokalnachrichten sind auf den Vortag, den 04. September, datiert:

Ein Segelboot kenterte auf dem Wockersee und die zwei Gekenterten seien von einem Kellner aus dem Kurhaus mithilfe eines weiteren Bootes gerettet worden.

Die Volkshochschule lud zu einer Versammlung in Vorbereitung der Winter-Kurse ein. Dort sollten die Themen der Kurse besprochen und bestimmt werden, um sicherzugehen, dass diese den Vorstellungen der Teilnehmer entsprächen.

Auch wurde von einer Stutenschau berichtet. Diese fand am 28. August in Lübz und am 29. August in Plau statt und an die Gewinner wurden verschiedene Plaketten und Pokale vergeben.

Zuletzt wurde auf gefälschte Rentenbankscheine à 50 Rentenmark hingewiesen, die in Umlauf geraten seien. Sie sähen den Echten durchaus ähnlich, könnten aber durch genaues Hinsehen vor allem an einem glänzenden Wachsüberzug, aber auch anhand weiterer Unterschiede, gut erkannt werden.

Auf der nächsten Seite folgen weitere Nachrichten aus Deutschland und aller Welt, unter anderem auch eine Witterungsübersicht. Der Bericht ging davon aus, dass trotz Hochdruckgebiets aus Schottland und Skandinavien nicht mit besserem Wetter zu rechnen sei, da in Mitteldeutschland und an der mittleren und nördlichen Küste Norwegens der Druck schon wieder fiele. Die Vorhersage für den 4. und 5. September verkündete ähnlich bleibende Temperaturen, hin und wieder Regenschauer und mal mehr mal weniger Wolken.

Diese Zeitung ist die erste dieser Beitragsreihe, in der etwas ausführlicher über Sport berichtet wurde. Genauer gesagt von dem Sportfest des Obotritengaues in Hagenow vom 31. August. Neben verschiedenen Leistungen wurde bemerkt, dass Parchim den Wanderpreis der Gaustaffel von viermal 100 Metern hätte verteidigen sollen, aber nicht antrat.

Daneben wird auch in dieser Ausgabe von den Kornpreisen berichtet, diesmal aus Schwerin und Wismar (2. September) und Rostock (1. September). Die Preise aus Schwerin und Wismar ähnelten sich zwar, die aus Schwerin lagen aber etwas höher. Die Rostocker Preise standen denen der anderen beiden Städte etwas nach.

Es folgte der Lebend- und Schlachtviehmarkt aus Hamburg vom 26. August und der Amtliche Berliner Schlachtviehmarkt vom 3. September: Neben der Anzahl an zum Verkauf stehender Tiere (zum Beispiel 452 Rinder und 3375 Schafe) und den Verkaufspreisen wurde auch der Verlauf des Marktes kurz beschrieben: „Rinder ruhig, Kälber glatt, Schafe ruhig, Schweine ruhig“.

Die vorerst letzte Novelle dieser Beitragsreihe heißt „Die Glühende Gasse“, ein Roman von Paul Rosenhayn. Diese wurde wieder stückweise veröffentlicht und es handelt sich hierbei um die 11. Fortsetzung. Auch wird darauf hingewiesen, dass Nachdrucke verboten waren. Zu dieser Novelle lässt sich zur Abwechslung deutlich einfacher recherchieren – es gibt sogar eine Verfilmung.

Die letzten beiden Seiten zieren wie in bisher allen Zeitungen verschiedenste Anzeigen und Werbungen.

Auf der vorletzten Seite fällt auf, dass nun auch Werbung verschiedener Marken – statt einzelner Geschäfte oder Personen – zu finden ist. Anstelle der vielen kleinen Anzeigen stehen hier weniger, aber dafür größere Werbungen.

Die erste Anzeige, ganz oben am Rand, bewarb einen verkaufsoffenen Sonntag für Manufakturwarengeschäfte. Einmal von acht bis neun Uhr morgens und einmal von zwölf bis zwei Uhr mittags.

Das Geschäft „Ehrlich“ bewarb seine 95-Pfennig-Tage, diese „bewiesen die höchste Leistungsfähigkeit“. Nachdem viele Artikel zuvor schnell vergriffen wären, seien diese nun wieder eingetroffen. Das Angebot bestand unter anderem (je 95 Pfennig) aus: 9,15 m Stickerei, einem Messerputzbrett mit Korkauflage, zwei Kleiderbürsten, einem Eierschneider aus Aluminium mit drei Eierbechern. Für 1,95 Mark wurden außerdem ein „Damenbeinkleid, geschlossen mit Stickerei“ und „6 Eierlöffel m. Salzlöffel, Bein“ angeboten.

Weiter unten wird ein Waschmittel beworben: „Sil – Henkel’s Bleich- und Waschmittel, gibt schneeweiße Wäsche, spart Seife und ersetzt die Rasenbleiche, Völlig unschädlich. — ohne Chlor.“

Die Witt und Zimpel A.-G. kaufte Falläpfel und „prima gepflückte saure Aepfel, sowie prima Birnen“. Carl Kienappel hingegen verkaufte Kartoffeln à 1,80 Mark pro Zentner.

Zuletzt kündigten John und Hertha Jaffé die Geburt ihres Sohnes am 4. September 1924 an.

Die Anzeigen auf der letzten Seite sind zum Großteil wieder kleiner und vielzähliger.

Bei einer der zwei Ausnahmen handelt es sich um „Burnus“, ein Einweichmittel für Wäsche, welches Seife, Feuerung und Arbeit sparen sollten, und die Wäsche in „bisher ungekanntem Maße“ schone. Die Anzeige befindet sich quer über die ganze Seite, am oberen Rand. Rechts wurde auch eine Dose des Produkts abgedruckt.

Noch grafischer stellt sich die Werbung für „Rahma Margarine buttergleich“ dar, auf der eine Person die Finger über einer großen Packung der Margarine verschränkt und die Betrachter anlächelt. Beworben wurde wie folgt: „Die beste Sparhilfe im Haushalt. In jeder Verwendungsart wie beste Butter. Immer frisch. Überall erhältlich. Preis pro 1/2 Pfund nur 50 Pfg.“ und: „Man verlange beim Einkauf von Rahma-buttergleich gratis die Kinderzeitung ‚Der Kleine Coco‘.“

Die Volkshochschule wies noch einmal auf die Besprechung zur Themenfindung hin und Kapellmeister Carl Körner informierte über seinen Umzug, er wohne jetzt Am Wallhotel 1.

Frau Lotte Garlin aus Meyenburg in der Prignitz suchte ab sofort ein Hausmädchen für ihren Geschäftshaushalt. Frau E. Hoppe in der Buchholzallee suchte zum 15. September ein älteres Hausmädchen das waschen und plätten konnte. Frau H. Dehlsen des Hotels „Union“ suchte ebenfalls zum 15. September ein „ordentliches und sauberes Mädchen“.

Frau Josephi vom Rittergut Penzlin bei Gallin suchte ab dem 15. September ein einfaches Mädchen, dessen Aufgaben Hausarbeit, Federvieh und Abwasch in der Herrschaftsküche umfassen würden. Sie ist die einzige, die Zeugnisabschriften und Gehaltsansprüche direkt erbat.

Ein Delikatessenhaus in der Langen Straße kündigte einen „Großen Ausnahmetag“ am 6. September an. Beworben wurden „aeußerst billige Lebensmittel u. Spirituosen“ und zu jedem Kauf ab 3 Mark gäbe es gratis 2 Tafeln Schokolade, einen 100 Gramm Block und „25 Gramm Reichardt“.

Ein Friseurgeschäft in der Waagestraße bot Haubennetze, Stirnnetze, die Anfertigung verschiedener Haararbeiten und die Reparatur von Haarschmuck an. Außerdem bot das Geschäft je 100 Gramm ausgekämmten Haars eine Mark.

Damit sind wir am Ende dieser Zeitung, und damit auch vorerst dieser Beitragsreihe, angekommen. Wir hoffen, Sie hat Ihnen gefallen und freuen uns Ihnen auch in den kommenden Monaten neue und interessante Beiträge zu zeigen.

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05.01.2026