Vorlesen
Inhalt

Das Kleine Vornamenbuch – Teil 1

Wissen Sie, was Ihr Name bedeutet und wo dieser herkommt?

Diesen und nächsten Monat beschäftigen wir uns mit dem „Kleinen Vornamenbuch“ von Karl Paul aus dem Jahr 1968 – laut Autor das erste Vornamenbuch der DDR.

Diesen Monat betrachten wir die Entstehung des Buches und die Autorenkommentare zu Motiven der Namenwahl, Doppelnamen und schlussendlich die erste Hälfte einer Auswahl der Namen aus dem Buch.

Das Buch beginnt also nicht mit den eigentlichen Vornamen, sondern mit ausführlichen Erklärungen zu dessen Entstehung, Aufbau und es befasst sich mit verschiedenen Fragen der Namenswahl.

Dabei habe er sich auf beliebte Vornamen fokussiert. Aufgrund des begrenzten Platzes wurden weniger gefragte und ausgefallenere Namen ausgelassen. Das Buch umfasse schlussendlich ungefähr 3.000 Vornamen, wobei die in dem Buch aufgeführten Namen keine Empfehlungen seinerseits wären. Auch habe er auf einen Mix aus traditionellen und modernen Namen geachtet. Einerseits aufgrund der „Wechselhaftigkeit“ der Namenstrends und andererseits um damals gebräuchliche Namensformen zu erklären. Zurate gezogen habe er Zeitungen, Zeitschriften, moderne Vornamensammlungen und wertete auch Anfragen aus.

Laut Autor habe es viel Briefwechsel zwischen dem Verlag/Standesämtern und Eltern gegeben – einer der Gründe für die Erarbeitung dieses Buches. Die Rückfragen bezögen sich auf Herkunft, Bedeutung und Aussprache verschiedenster Namen, aber auch darauf ob Namen männlich oder weiblich wären, oder ob es sich überhaupt um einen „richtigen“ Namen handele.

Weiter werden verschiedene Ratschläge und Bedenken der Namenwahl erörtert.

Zuerst zu den Motiven der Namenwahl:

Der „Wohlklang“ des Namens dürfe nicht in „Originalitätssucht“ ausarten, denn auch dem Kind müsse der Name gefallen und dürfe der Name auch nicht zu Mobbing führen. Auch sollten Vor- und Nachnamen zusammenpassen. Als Beispiel dafür gibt der Autor Stabreime an, wie zum Beispiel bei „Gabriele Gerhard“ und „Konrad Kunze“. Verstärkt wäre dies außerdem noch bei Namen wie „Petra Peters“.

Auch solle vermieden werden einen langen Nachnamen mit einem langen Vornamen zu kombinieren – zu kurzen Vor- und Nachnamen gleichzeitig gibt es allerdings keinen weiteren Kommentar.

Vermeiden solle man auch Namen, bei denen der Endlaut des Vornamens der Anfangslaut des Nachnamens ist: „Karla Amren“ und „Kurt Tröger“.

Häufig würden andere Personen, also Vorbilder, als Inspiration für die Namenwahl genutzt. Ein Dorn im Auge waren dem Autor dabei „merkwürdige Namenblüten“ die zu Zeiten „nationaler Begeisterung“ entstünden, wie zum Beispiel „Waterloo“ durch die Kämpfe gegen Napoleon.

Beispiele für Vorbilder aus der Vergangenheit seien Namen von Kaisern, Königen und Fürsten: Heinrich und Friedrich in ganz Deutschland, August und Johann in Sachsen, Wilhelm in Preußen, Joseph und Maximilian in Österreich und Ruprecht und Luitpold in Bayern.

Den Einfluss der katholischen Kirche durch die Forderung von Taufnamen, die Wahl eines „Heiligennamens“, und die Aufstellung eines Heiligenkalenders schreibt er „heute“ (also Ende der 1960er Jahre) ab. Moderne Vorbilder seien hingegen Menschen, „die durch großartige Leistungen hervorragen“.

Seit dem 18. Jahrhundert würden außerdem Literatur und Kunst die Namenwahl stärker beeinflussen. Wolfgang und Friedrich nach den Autoren, oder Lotte, Ingrid und Ada nach Charakteren verschiedener Werke. Durch Filme seien Kerstin und Kirsten beliebt geworden und durch Schlager Marina, Ramona und Cindy.

Dies unterstreicht auch seine Meinung, dass die Motive der Namenwahl so wandelbar wären wie Mode – von Königen über Taufnahmen, berühmte Personen, bis hin zu Medien. Gälten um 1900 Namen wie Erich, Otto, Elsa und Martha als modern, habe sich dies in den 1960er Jahren schon wieder gewandelt und stattdessen seien Namen wie Jens, Michael, Birgit und Karin beliebt.

Auch unterstreicht Karl Paul noch einmal seine Kritik am Streben nach Originalität – ungewöhnliche, nicht alltägliche Namen, die möglichst auffielen und fremd klängen, würden besonders schnell lächerlich werden. Auch das Ändern der Schreibweise (z. B. K zu C und I zu Y) kritisierte er, zum Beispiel Elli, Gabi und Silvia zu Elly, Gaby und Sylvia oder Kristin zu Cristin.

Doppelnamen

Auch Kindern mehr als zwei Vornamen zu geben, wäre eine Modeerscheinung, bewiesen in der schnellen Zuname nach 1900 und langsamer Abnahme in der „Gegenwart“. Die Anzahl der Namen sei den Eltern überlassen, doch wären mehr als zwei Vornamen selten geworden. Wenn, geschehe dies oft auf Grund von Familientraditionen, zum Beispiel der Vergabe eines bestimmten Namens in jeder Generation, oder den Kindern würden die Namen der Großeltern, Eltern oder eines Paten gegeben.

Zur Entstehungszeit des Buches zögen Eltern es vor, nur einen Vornamen zu geben, da die Kinder nur mit einem Namen gerufen werden könnten. Auch die Beliebtheit von Bindestrich-Doppelnamen deute darauf hin. Diese seien jedoch eine „ausgesprochen modische Erscheinung“ und entsprächen nicht ganz den Rechtschreibregeln, kritisiert der Autor weiter.

Mit der Zeit seien viele Bindestrich-Doppelnamen zu einem Einzelnamen zusammengewachsen, die nun eher als Einzelnamen empfunden würden, wie etwa Anneliese und Hannelore. „Mittlerweile“ würden diese aber wieder häufiger durch einen Bindestrich auseinandergerissen, wie Marie-Anne und Karl-Heinz.

Gleichzeitig träten in den Hintergrund geratene Vornamen durch Doppelnamen wieder häufiger auf. Als Beispiel betrachtete der Autor 190 männliche und 80 weibliche in Vornamenkarteien gesammelte Namen. Doppelnamen kämen bei Jungen außerdem häufiger vor.

Als 1. Teil kämen vor: 50 Hans, 27 Karl, 14 Ernst, 8 Heinz und 8 Klaus, 5 Peter, beziehungsweise 17 Anna, 10 Maria/Marie und 6 Ilse. Als 2. Teil gäbe es 3 Hans, 9 Heinz, 10 Peter, beziehungsweise 3 Anna und 23 Marie.

Zuletzt folgt endlich die erste Hälfte der Vornamen.

Die Aussprache wurde, soweit nötig, in Anführungszeichen hinter dem Namen notiert. Es folgen (meistens) das Herkunftsland, die Bedeutung und weitere Namensformen.

  • Aaron/Aron (hebräisch), „der Erleuchtete“
  • Achmed (arabisch), „der Preiswürdige“, Nebenform: Ahmed
  • Basilius (lateinisch-griechisch), „der Königliche“, Kurzform: Basil
  • Cora, Kurzform von
    • Cordelia, von Cordula, eingedeutscht: Kordelia
    • Cordula (lateinisch), „Herzchen“, eingedeutscht: Kordula
    • Weiterbildung von Cora: Corinna, eingedeutscht: Kora, Korinna
    • Corinne „ko‘rin“ französische Form von Corinna
  • Elmira (arabisch-spanisch), „die Erhabene, Fürstin“
  • Frédéric „fre:de‘rik“, französische Form von „Friedrich“
    • Friedrich (althochdeutsch: fridn + richi), „Schutz, Friede + mächtig, Fürst“, Kurzformen unter anderem: Frieder, Fried(o), Friddo, Fridolin, Fritz
  • Hannelore, Doppelname aus
    • Johanna, weibliche Form von „Johann“, Kurzformen: Hanna, Hanne, Jo, Jenni
    • Johann, Johannes (hebräisch) „Gott ist Gnädig“, Kurzformen: u. a. Hannes, Hanno, Hans, Henner, Henno, Jens
    • Eleonore (hebräisch), „“Gott ist mein Licht“, auch: Eleonora, Ellinor, Kurzformen: u. a. Ella, Elli, Leonore, Lore, Nora
    • englische Form: Eleanor, Verkleinerungsform: Nelly, Kurzform: Ellen
  • Katina, neugriechische Form von Katharina,
    Kat(h)rein, Kat(h)rin, oberdeutsche Formen von Katharina,
    Kat(h)inka, Katja, russische Koseformen von Katharina
    • Katharina (griechisch), „die Reine“ – Bedeutung sei umstritten, vielleicht aus einer ursprünglich anderen Form; Kurzformen u. a.: Ina, Nina, Kat(h)e, Kät(h)e, Kati, Trina, Trine
  • Libussa (slawisch), „Liebling“

Damit sind wir am Ende dieses Beitrages angekommen. Haben Sie Ihren Namen in der Liste wiedergefunden? Wenn nicht, dann vielleicht im nächsten Beitrag. Darin betrachten wir Kurz- und Kosenamen, Vornamen aus anderen Ländern und die zweite Hälfte der Vornamen, die wir für diesen Beitrag auswählten.

Voriger Beitrag     Nächster Beitrag

02.02.2026