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Informationen zum Eichenprozessionsspinner


Um den Eichenprozessionsspinner ist es nach der großen Bekämpfungsmaßnahme 2015 ruhig geworden. Doch spätestens seit dem "Rekordsommer" von 2018 erholte sich die wärmeliebende Art, weshalb eine erneute Bekämpfungsmaßnahme in diesem Jahr erforderlich war.
Der Landkreis Ludwigslust-Parchim plant, im Zeitraum 23. Mai bis 17. Juni dieses Jahres besonders stark mit dem Eichenprozessionsspinner befallene Allee-Abschnitte im Landkreis zu behandeln. Diese Maßnahme dient der Abwehr gesundheitlicher Gefahren, die durch mikroskopisch kleine Brennhaare der Raupen ausgelöst werden können.
Die Behandlung wird mit dem Produkt Foray ES, einem biologischen Insektizid auf Basis eines Bodenbakteriums, erfolgen. Dieser Wirkstoff wird vom Umweltbundesamt für die EPS-Bekämpfung empfohlen. Er ist ungiftig für Menschen und andere Wirbeltiere und wirkt nur auf Schmetterlingsraupen. Bienen und andere Insekten werden deshalb nicht von dem Einsatz betroffen sein. Für eine möglichst effektive Behandlung wird das Biozid mit einem Hubschrauber ausgebracht.

Da optimale Einsatz-Bedingungen nur für wenige Tage zuverlässig vorhersagbar sind, kann der exakte Termin nur sehr kurzfristig bekanntgegeben werden. Bei Fragen rund um die geplante Maßnahme können sich Bürgerinnen und Bürger an die Hotline des Landkreises (Behördenruf 115) wenden. Die Wirksamkeit der Maßnahme und die weitere Entwicklung der Populationsdichte im Landkreis wird im Sommer durch umfangreiche Nesterzählungen kontrolliert werden.

Eine Auswahl von Bekämpfungsfirmen finden Sie hier zum Herunterladen.



Schutzmaßnahmen bei der Durchführung von Arbeiten im Umfeld von mit EPS befallenen Eichen

Was sind Eichenprozessionsspinner?

Eichenprozessionsspinner (EPS, Thaumetopoae prozessionea) sind unscheinbare Schmetterlinge, dessen Raupen sich an den Blättern von Eichen entwickeln. Seit mehreren Jahren entwickeln sich die Tiere teilweise massenhaft und treten dadurch als Gesundheits- und Pflanzenschädlinge auf. Ihren Namen erhielten die Falter aufgrund der Gewohnheit der Raupen in breiten Bändern (Prozessionen) zwischen Gespinstnestern und Eichenkronen hin und her zu laufen.

Weshalb ist der Eichenprozessionsspinner ein Gesundheits-Problem?

Ab dem 3. Larvenstadium bilden die Raupen winzige mit Widerhaken versehene Brennhaare aus. Diese nur 0,1–0,2 mm langen Härchen können nach Kontakt mit der Haut, den Augen oder durch Einatmen verschiedene Krankheitssymptome auslösen. Die häufigsten Reaktionen sind:

  • stark juckende Hautentzündungen (Raupenhaardermatits), in Form von Rötungen, Bläschen oder Quaddeln, seltener kommt es zu
  • Entzündungen der Augen oder
  • der oberen Luftwege. Teilweise treten auch
  • unspezifischen Allgemeinsymptomen wie Schwindel, Müdigkeit oder Fieber auf. In sehr seltenen Fällen kommt es zu einem allergischen Schock.

Auf welchen Zeitraum erstreckt sich die Gefährdung?

Der akute Gefährdungszeitraum beginnt ab etwa Ende Mai, wenn die EPS-Raupen das 3. Stadium erreicht haben und Brennhaare ausgebildet werden. Die Häutungsreste (und damit auch die Härchen) verbleiben in den Gespinstnestern. Da diese recht haltbar sind und die Brennhaare mehrere Jahre biologisch aktiv bleiben, erstreckt sich die Gefährdung bis in den Herbst hinein. Auch ältere Gespinstnester (z.B. aus dem Vorjahr) bleiben deshalb eine mögliche Gefahrenquelle.

Wie erfolgt die Exposition?

Die Brennhaare können durch direkten Kontakt mit den Raupen oder den Gespinstnestern aufgenommen werden. Aufgrund der geringen Größe der Härchen werden diese aber auch über die Luft verfrachtet und kontaminieren so die Umgebung befallener Eichen. Alle Arbeiten, die zur Aufwirbelung der Brennhaare führen können, z.B. Mäh- oder Holzpflegearbeiten sollten deshalb in betroffenen Arealen unterbleiben.

Wer ist gefährdet?

Beruflich gefährdet sind alle Beschäftigten, die in befallenen Arealen im Freien tätig sind: z.B. in der Land- und Forstwirtschaft, in Landschaftspflegebetrieben, Straßenmeistereien oder Gemeinden, in Freizeiteinrichtungen (Campingplätze, Schwimmbäder) oder Einsatzkräfte (z. B. Feuerwehr).

Wie können Eichenprozessionspinner bekämpft werden?

Aufgrund der Biologie des EPS bieten sich zwei Bekämpfungsmethoden an:

  • Vorbeugende Behandlung mit Insektiziden (vor dem 3. Larvenstadium)
  • Mechanische Entfernung von Nestern und Raupen als Akutmaßnahme (Absaugen, Abnehmen)

Aufgrund der mit der Bekämpfung verbundenen Gefahren, sollten Maßnahmen gegen EPS nur durch spezialisierte Fachfirmen durchgeführt werden.
Weitere Angaben und Details zur Biologie, Gesundheitsgefahren und Bekämpfungsmöglichkeiten finden Sie unter folgendem Link: http://service.mvnet.de/_php/download.php?datei_id=58738

Allgemeine Schutzmaßnahmen

  • Grundsätzlich sind die Beschäftigten bei Auftreten der Raupen über die Gefährdung und notwendige Schutzmaßnahmen zu unterrichten
  • Befallene Gebiete sollten während der Raupen- und Puppenperiode (Ende Mai–Ende September) gemieden und Garten, Holz- und Pflegearbeiten möglichst verschoben werden
  • Öffentliche Bereiche sind zu kennzeichnen, oder abzusperren
  • Raupen und Gespinstnester nicht berühren, Haut- und Augenkontakt vermeiden
  • Raupen und Gespinste nicht Abflammen oder mit Wasser vom Baum spritzen, dadurch werden Raupen und Härchen weiter verteilt

Maßnahmen nach Kontakt oder Kontamination

  • Kleidung wechseln und getragene Kleidung gründlich waschen
  • Haut und Haare gründlich waschen, duschen
  • Augen mit viel Wasser spülen (z. B. Augenspülflasche, besser: Trinkwasserleitung)
  • Bei Beschwerden Arzt aufsuchen und diesen über EPS- Kontakt informieren
  • Bei schweren allergischen Reaktionen mit Asthma und Atemnot Rettungsdienst bzw. einen Notarzt verständigen
  • Juckende Hautstellen mit geeigneten Salben beruhigen, nicht aufkratzen (Infektionsgefahr!)

Spezielle Schutzmaßnahmen bei Arbeiten im Umfeld befallener Bäume und akuten Bekämpfungsmaßnahmen zur Beseitigung von Raupen und Gespinsten

Bei Arbeiten am und unter befallenen Eichen sind folgenden Maßnahmen einzuhalten:

  • Verbot von Alleinarbeit
  • Vor Betreten der Bereiche ist geeignete persönliche Schutzausrüstung anzulegen:
  • Körperbedeckende Arbeitsschutzkleidung mit dicht schließender Kapuze (z. B. Einweganzug),
  • Stiefel oder Einwegüberziehstiefel,
  • Schutzhandschuhe mit langer Stulpe,
  • Augenschutz (z. B. enganliegende Schutzbrille mit Seitenschutz),
  • Atemschutz in Abhängigkeit von der Gefährdungsbeurteilung der Tätigkeit (z.B. Vollmaske mit FFP 2 Filter)
  • Nach Beendigung der Tätigkeiten die persönliche Schutzausrüstung an dafür vorgesehenen Stellen ablegen.
  • Einwegmaterialien in stabile, verschließbare Müllsäcke überführen und einer geeigneten Entsorgung (z.B. Verbrennung) zuführen.
  • Anschließend sind evtl. kontaminierte Hautareale und die Haare gründlich zu waschen.
  • Alle Gerätschaften und wieder verwendbare Gegenstände und Materialien mit viel Wasser reinigen, so dass keine Härchen haften bleiben.
  • Das Abwasser im Kanalnetz entsorgen, nicht versickern lassen, da ansonsten eine starke Konzentration der Härchen auftreten kann.

Die Zuständigkeit für Arbeitsschutzmaßnahmen liegt beim:

Landesamt für Gesundheit und Soziales
Abteilung Arbeitsschutz und technische Sicherheit
Friedrich-Engels-Platz 5 – 8
18055 Rostock 

Ansprechpartnerin:
Frau M. Höppner
Marita.Hoeppner@lagus.mv-regierung.de
Tel.: 0381 331-59184
Internet: www.lagus.mv-regierung.de

Schutz vor einer Gefährdung durch Brennhaare der Raupen des Eichenprozessionsspinners

Der Eichenprozessionsspinner, ein Nachtschmetterling, umgangssprachlich auch Motte genannt, fliegt von Ende Juli bis Anfang September. Ein Weibchen legt im oberen Kronenbereich der Eichen 100 bis 200 ca. 1 mm große Eier ab. Die Raupen schlüpfen Anfang Mai und häuten sich bis zur Verpuppung 5 - 6 mal. Mit jeder Häutung wird das Raupennest (Gespinstnest) vergrößert.
Ab dem 3. Larvenstadium, Anfang bis Mitte Mai (je nach Witterung) werden die Brennhaare (Gifthärchen) die den Giftstoff Thaumetopoein enthalten, entwickelt. Der Kontakt mit diesen Brennhaaren kann zu unterschiedlichen Beschwerden führen (Hautreaktionen, Entzündungen von Augenbindehaut und Auge, Entzündung der oberen Luftwege, mitunter auch asthmaartige Symptome und sogar Auslösung von allergischen Schockreaktionen).

Um dieses zu verhindern werden folgen Vorsichtsmaßnahmen empfohlen:

  • meiden der Umgebung von befallenen Bäumen
  • Raupen und deren Nester (Gespinste) nicht berühren
  • empfindliche Hautbereiche (Nacken, Hals, Unterarme) mittels Kleidung schützen
  • keine Durchführung von Holzernte- und Pflegemaßnahmen, wenn Raupennester erkennbar sind
  • wegen der gesundheitlichen Belastung ist die Beseitigung der Raupen und deren Nester nur von Fachleuten mit spezieller Arbeitstechnik durchführen zu lassen (mechanische Bekämpfung, Einsatz von Pflanzenschutzmitteln)

Wenn es zu einem Kontakt gekommen ist

  • schnellstmöglich nach Hause gehen und Kleidung ablegen und ein Duschbad mit Haarreinigung nehmen, Kleidung in der Waschmaschine waschen
  • betroffene Haustiere und genutzte Kraftfahrzeuge sollten ebenfalls in die Reinigungsmaßnahmen einbezogen werden
  • sollte sich der Verdacht des Kontaktes durch ersten Juckreiz auf der Haut bestätigen, dann auf diese Stellen einen Klebestreifen o. ä. auf die Haut drücken und sofort ruckartig abziehen (durch das Kratzen werden die Härchen in die Haut transportiert und es kann zur Bildung von Quaddeln und Bläschen kommen)
  • Beim Ernten von Obst und Gemüse oberhalb der Erdoberfläche unter bzw. in der Nähe von befallenen Bäumen sollten empfindliche Hautbereiche und die Hände geschützt werden. Dieser Schutz ist erst nach der Reinigung des Erntegutes abzulegen und zu reinigen bzw. mit dem Hausmüll zu entsorgen.

Gefahren für Haus- und Nutztiere, Tiere mit besonderer Gefährdung Weidetiere und Raufutter verzehrendes Vieh, v.a. Pferde und Rinder:

  • plötzliche Schwellungen im Bereich der Nüstern bzw. des ganzen Maules, nach kurzer Zeit Ausdehnung auf gesamten Kopfbereich
  • bei Rauhfutter von Wiesen in der Nähe befallener Eichen und Aufnahme von Gifthaaren im Heu : Magenschleimhautentzündungen und wie oben

Vorsichtsmaßnahmen:

  • Weideabstand zu Befallseichen von mindest. 500 m
  • Meidung der Befallsareale durch Reiter und Pferd
  • Keine Raufuttergewinnung von wiesennahen Befallsarealen

Streunende Hunde und Katzen, Jagdhunde, Hunde mit ihren Spaziergängern:

  • Kontaktdermatitis: juckende Rötungen in der Leistengegend
  • Asthmatische Reaktionen
  • Erbrechen weißen Schaums, persitierende Schluckbeschwerden
  • Makroglossie (teilweise oder vollständige Vergrößerung der Zunge)
  • Starke Schwellungen im Kopfbereich
  • Nekrotisierende Glossitis (Entzündung der Zunge)

Vorsichtsmaßnahmen:

  • Meidung der Befallsareale, Hauptgefährdungszeit Mai – Spätherbst
  • Bei Verdacht umgehend Tierarzt konsultieren, neben Symptomschilderungen auch Angaben über Aufenthalt des Tieres in der letzten Zeit machen
  • Heilung erkrankter Tiere bei rechtzeitig entsprechender tierärztlicher Therapie

EPS-Bekämpfungsmaßnahmen vom Boden

Bei der Bekämpfung vom Boden aus werden Nebelgeräte für ein zielgenaues Aufbringen des Bekämpfungsmittels eingesetzt. Bei diesem Verfahren ist der enge Zeitrahmen für einen wirksamen Bekämpfungserfolg ausschlaggebend. Eine bodengestützte Biozidmaßnahme ist allerdings zu langwierig um als Alternative für alle betroffenen Alleeabschnitte des Landkreises in Betracht zu kommen.
In den Ortschaften werden die Einsätze von den Ämtern und Städten koordiniert.

Das mechanische Absaugen der Nester der Raupen kann erst durchgeführt werden, wenn diese bereits ausgebildet sind. Zu diesem Zeitpunkt haben die Larven schon Brennhaare ausgebildet und stellen somit eine Belastung für die Bevölkerung dar.

Wer befallene Bäume auf seinem Privatgrundstück oder anderweitig entdeckt, kann sich an das örtlich zuständige Ordnungsamt wenden.

Für die Behandlung privater Bäume trägt der Grundstückseigentümer die Kosten.

Da die gesundheitlichen Gefahren durch die Raupen des Eichenprozessionsspinners nicht zu unterschätzen sind, sollte nicht versucht werden, die Nester oder einzelne Raupen zu entfernen.

Fragen und Antworten

Die Fragen und Antworten basieren auf folgende Veröffentlichung: Dr. R. Petercord, Dr. H. Delb, Dr. H. Schröter, FVA Baden-Württemberg, Abteilung Waldschutz, Stand 01.05.2008

Informationen zur Human- und Ökotoxikologie von Bt–Präparaten, die bei der Bekämpfung von freifressenden Schmetterlingsraupen im Forst eingesetzt werden
Ziel dieser Information ist es, häufig gestellte Fragen zum Einsatz von Bt-Präparaten bei der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners und anderer Schmetterlingsraupen zu beantworten und damit die Diskus-sion über diesen Insektizideinsatz zu versachlichen.
Im Folgenden werden 12 Fragen beantwortet, die immer wieder im Zusammenhang mit dem Einsatz von Bt-Präparaten gegen freifressende Schmetterlingsraupen gestellt werden und hauptsächlich die Auswirkun-gen dieser Insektizide auf die Umwelt sowie auf die Gesundheit von Mensch und Tier betreffen. Jede Frage wird zunächst kurz zusammengefasst und dann in einem nachfolgenden Absatz detailliert beantwortet, so dass dem Leser unterschiedliche Informationsniveaus zur Verfügung stehen.

1. Wofür steht die Bezeichnung Bt?

Die Bezeichnung Bt ist eine Abkürzung für das Bodenbakterium Bacillus thuringiensis, verwendet wird die Abkürzung jedoch vor allem im Zusammenhang mit dem Toxin des Bakteriums. Bacillus thuringiensis ist weltweit verbreitet und zeigt unter bestimmten Bedingungen insektizide Wirkung. Auf der Basis der von Bacillus thuringiensis erzeugten Toxine (Endotoxine) beruhen alle Bt-Präparate. Als Bt-Präparate werden Insektizide bezeichnet, deren Wirkung auf Bacillus thuringiensis–Endotoxinen beruht. Sie bestehen in der Regel aus getrockneten Bakterien-Sporen und den kristallinen Endotoxinen als Hauptkomponenten. Bt-Prä-parate werden als wasserdispergierbares Granulat oder als Suspensionskonzentrat im Handel vertrieben. Vor der Ausbringung müssen sie in Wasser gelöst bzw. verdünnt werden.

2. Wie wirken Bt-Präparate?

Bt-Präparate wirken als selektive Insektizide mit Fraßgiftwirkung. Insekten nehmen die zunächst ungiftige Form (Protoxin) des als Kristallprotein vorliegenden Endotoxins mit der Nahrung auf. Im Mitteldarm des Insekts herrscht ein alkalischer pH-Werte, dort werden die Kristallproteine durch Enzyme (Proteasen) gespalten und damit die inaktiven Protoxine zur eigentlichen Toxinform um-gewandelt. Diese können sich nun an spezifische Rezeptoren der Darmwand binden. Spezielle Be-standteile des Toxins senken sich daraufhin in die Zellmembran der Darmwand und verursachen dort die Entstehung von Poren. Die Darmwand wird so regelrecht perforiert. Dies führt zu einem sofortigen Fraßstopp, einer Diarrhoe und in Folge dessen zum Austrocknen der Larven (Sympto-matik der Schlaffsucht). Letztlich gelangen Darmbakterien durch die Poren in den Blutkreislauf (Hämolymphe) und verursachen dort eine „Blutvergiftung“, die zum Absterben des Insekts führt.

3. Warum wirken Bt-Präparate selektiv?

Bt-Präparate wirken selektiv auf Schmetterlingsraupen und Larven einiger weiterer Insektenarten. Die Selektivität der Bt-Präparate beruht auf mehreren aufeinander aufbauenden Bedingungen, die alle erfüllt sein müssen:

  1. Das kristallisierte Protoxin muss gefressen werden.
  2. Im Darm muss ein alkalischer pH-Wert vorliegen (pH > 9), um die Kristallstruktur aufzulösen.
  3. Spezifische Proteasen (Enzyme) müssen vorhanden sein, um die ungiftigen Protoxine in ei-nem ersten Verdauungsschritt in die aktive Toxinform zu überführen.
  4. Auf dem Epithel des Mitteldarms müssen die passenden Rezeptoren vorhanden sein, damit das Toxin über seine spezifische Schlüsselstruktur an die Epithelmembran andocken kann (Schlüssel-Schloss-Prinzip). Nur wenn alle diese Bedingungen erfüllt sind, wirkt das Bt-Kris-tallprotein toxisch.

4. Gegen welche Insekten und wo werden Bt-Präparate eingesetzt?

Bt-Präparate werden im Pflanzenschutz gegen freifressende Schmetterlingsraupen und Käferlar-ven eingesetzt. Darüber hinaus können im Rahmen der Schädlingsbekämpfung Bt-Präparate als Biozide auch gegen die Larven von Zweiflüglern (Fliegen und Mücken) und Käfer eingesetzt wer-den. Bt-Präparate werden heute weltweit im Pflanzenschutz eingesetzt. Eine besondere Bedeu-tung haben sie als natürliches Insektizid im Ökologischen Landbau, etwa 90 % der weltweit einge-setzten biologischen Schädlingsbekämpfungsmittel sind Bt-Präparate. In Deutschland werden Bt-Präparate heute im Kartoffel-, Obst- und Gemüsebau, im Weinbau, im Zierpflanzenanbau, in der Forstwirtschaft sowie im öffentlichen Grün verwendet. Darüber hinaus werden Bt-Präparate zur umweltfreundlichen Bekämpfung von Stech-, Kriebel- und Trauermücken Larven als Hygienemaß-nahme sowie zur Bekämpfung von Raupen der Großen Wachsmotte in der Imkerei eingesetzt.

5. Wie wirksam sind Bt-Präparate?

Die Wirksamkeit von Bt-Präparaten ist abhängig von der Aufnahmerate und dem Entwicklungssta-dium des zu bekämpfenden Insekts. Bei sachgerechter Anwendung kann ein Wirkungsgrad von 70 – 90 % erreicht werden. Der Bekämpfungserfolg hängt im Wesentlichen davon ab, dass bei der Ausbringung der Präparate eine gute Benetzung der Blätter/Nadeln als Fraßobjekt erzielt wird, die Witterungsbedingungen für den Larvenfraß günstig sind und möglichst junge Larvenstadien getrof-fen werden. Es wird daher empfohlen, bei der Bekämpfung von freifressenden Schmetterlingen darauf zu achten, dass zum Bekämpfungszeitpunkt eine, sowohl für die Ausbringung des in Wasser gelösten Pflanzenschutzmittels als auch für den Blattfraß der Schmetterlingsraupen, ausreichend große Blattmasse vorhanden ist. Zudem müssen bei der Ausbringung trockenwarme Witterungs-bedingungen herrschen. Die Blattorgane dürfen nicht mehr vom nächtlichen Tau benetzt sein. Die Temperatur muss im Tagesverlauf mehrere Stunden lang mindestens 15 °C aufweisen, damit eine ausreichende Fraßaktivität gewährleistet ist und das Mittel so rasch wie möglich aufgenommen wird.

6. Wie lange sind Bt-Präparate wirksam?

Die Wirkungsdauer von Bt-Präparaten hängt davon ab, wie lange sie am Fraßort intakt vorhanden sind. Bt-Präparate werden bei starkem Regen abgewaschen und sind zudem empfindlich gegen-über UV-Strahlung. Ihre Wirkungsdauer ist daher stark abhängig vom Anwendungsgebiet und den Witterungsbedingungen während und nach der Ausbringung. Bei Waldschutzmaßnahmen wird von einer maximal einwöchigen Wirkungsdauer ausgegangen. Bei der Ausbringung ist darauf zu achten, dass auch die Blattunterseiten gut benetzt werden und eine gute Durchdringung des Waldbestandes erzielt wird. Zur Ausbringung des Mittels sind rotorgetriebene Luftfahrzeuge, die in geringem Abstand über den Bestand fliegen können und eine zusätzliche Verwirbelung des Sprühnebels erzeugen, besonders geeignet.

7. Wie erfolgt der Abbau der Bt-Präparate?

Bt-Präparate werden durch die UV-Strahlung inaktiviert und letztlich durch Mikroorganismen voll-ständig abgebaut. Im Boden können die Endotoxine als Proteine an Tonminerale gebunden wer-den und sind so vor dem mikrobiellen Abbau geschützt. Dies führt zu einer erhöhten Persistenz und Akkumulation der Toxine im Boden. Die Wirkung der Toxine bleibt trotz der Bindung erhalten und kann unter diesen Umständen sogar erhöht werden. Da dieser Prozess besonders bei der me-chanischen Einarbeitung von Endotoxinen mit Pflanzenresten in den Boden zu beobachten ist, spielt er beim Einsatz von Bt-Präparaten in der Forstwirtschaft keine Rolle.

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