EPS-Bekämpfung: Landkreis LUP zieht erste Bilanz
Mitunter starker Befall an Eichen im Kreisgebiet von Ludwigslust-Parchim festgestellt / Bekämpfung des EPS wird im kommenden Jahr fortgesetzt / Gesundheitsamt rät befallene Eichen zu melden und vor allem zu meiden
Der Landkreis Ludwigslust-Parchim zieht nach der diesjährigen Luftbekämpfung des Eichenprozessionsspinners eine erste Bilanz: An vier Tagen – am 15. und 16. Juni sowie am 22. und 23. Juni – fuhren Vertreter des Gesundheitsamtes und der Naturschutzbehörde des Landkreises Ludwigslust-Parchim sowie des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LAGuS) die Eichenalleen im Landkreis ab und zählten an 20 zufällig ausgewählten Bäumen je Allee die jeweiligen Nester des Eichenprozessionsspinners. Dabei zeigte sich ein durchwachsenes Bild von Bäumen ohne Befall bis zu flächendeckendem Befall mit Kahlfraß der Blätter.
Auffällig war, dass an Alleen, die bei der Befliegung in Windrichtung verliefen, der Befall geringer war als an Alleen, die quer zum Wind standen. „Daher vermuten wir, dass der Wind bei der Befliegung den Erfolg der Maßnahme stärker reduziert hat, als zunächst angenommen. Wehte der Wind das Biozid in Fahrtrichtung der Allee weiter, landete der Wirkstoff immer noch in der nächsten Eiche. Wehte der Wind quer zur Allee, verteilte sich der Wirkstoff auf die Straße oder das angrenzende Gelände“, erklärt Dr. Sebastian Langer-Corinth, Leiter des Fachdienstes Gesundheit des Landkreises Ludwigslust-Parchim.
Das Biozid auf Basis eines Bodenbakteriums wirkt nur auf freifressende Schmetterlingsraupen, hat jedoch eine kurze Halbwertszeit in der Wirkung. Deshalb ist durch Luftbekämpfung mittels Hubschrauber kein Schaden auf das umliegende Gelände zu erwarten. „Leider hätten wir nicht auf weniger Wind warten können – der Hubschrauber, der sich bundesweit von Süden nach Norden vorarbeitet, musste zum nächsten Einsatz. Bei zu viel Belaubung oder zu großen EPS-Raupen sinkt die Erfolgsquote ebenfalls“, ergänzt der Leiter des Gesundheitsamtes. Ohne die Befliegung allerdings wäre der Befall des Eichenprozessionsspinners noch stärker gewesen.
So wie es auch bei Eichen sogenannte Mastjahre gibt, gibt es auch beim Eichenprozessionsspinner regelmäßige Phasen der Massenvermehrung. „In genau so einer Phase der Massenvermehrung des Eichenprozessionsspinners scheinen wir uns gerade zu befinden“, so Dr. Langer-Corinth. Denn neben dem Landkreis Ludwigslust-Parchim sind auch in den angrenzenden Landkreisen, im Spreewald wie auch in Berlin außergewöhnliche Massenentwicklungen aufgetreten. Wenn der Bestand an Schädlingen hoch ist, bleibt auch nach der ersten Runde der Bekämpfung noch eine große Restmenge übrig. Für den Kreis bedeutet dies, dass im nächsten Jahr noch umfangreicher bekämpft werden soll.
Während in diesem Jahr für die Bekämpfung 221.000 Euro – verteilt auf Land, Kreis und Kommunen – ausgegeben wurde, soll im kommenden Jahr noch eine zusätzliche Bekämpfung mittels Sprühkanone oder Drohne stattfinden. „Mithilfe dieser Technik können wir bereits ab dem 1. Larvenstadium mit der Bekämpfung beginnen und vergrößern damit das Zeitfenster der Maßnahme. Des Weiteren sind wir damit wetterunabhängiger. Zudem wollen wir wieder Gemeinden das Angebot machen, unseren Dienstleister in Anspruch zu nehmen. Die Kosten müssen zwar immer vom Besitzer der Bäume getragen werden, aber so entfällt zumindest die eigene Recherche, Planung und Ausschreibung für die Kommunen“, erläutert der Amtsarzt des Landkreises.
Bis zu einer halben Million Euro wird der Landkreis in die Hand nehmen, um die Landkreisbevölkerung vor den giftigen Brennhaaren der Eichenprozessionsspinner zu schützen. Trotzdem wird es immer wieder befallene Bäume geben. „Deshalb raten wir allen Einwohnerinnen und Einwohnern, besonders in den Monaten Juni bis August darauf zu achten, wo sich Gespinste des Eichenprozessionsspinners in den Eichen befinden. Wichtig ist, diese Bäume zu meiden, denn die Brennhaare können auch im Laub und am Stamm überdauern. Über Brennholz als auch beim Laub harken können diese Brennhaare dann auf die Haut gelangen. Im Auto allerdings besteht wenig Gefahr, da die Brennhaare im Pollenfilter hängen bleiben. Wird dieser jedoch gewechselt ist erneut Vorsicht geboten“, sagt Dr. Langer-Corinth abschließend.
Wer Befall an Eichen feststellt, kann entweder sich direkt an das Gesundheitsamt wenden oder den Befall über die Plattform Klarschiff-MV melden: www.klarschiff-mv.de
Weitere Informationen rund um das Thema Eichenprozessionsspinner gibt es auch auf der Internetseite des Landkreises unter www.kreis-lup.de – im Bereich Bevölkerungsschutz geht es direkt zur EPS-Seite.
