Vornamen an der Oberschule Groß Laasch bis 1999
Unsere Vornamen begleiten uns meist unser ganzes Leben. Da ist es vorteilhaft, wenn man seinen Namen mag – doch Gepflogenheiten und Geschmäcker ändern sich. Was vor ein paar Jahren im Trend lag, ist nun vielleicht schon wieder vergessen. Und das galt nicht erst die letzten Jahrzehnte, wie wir in unseren letzten beiden Beiträgen sehen konnte.
In diesen beiden Beiträgen befassten wir uns mit einem Vornamenbuch. 1968 als „erstes Vornamenbuch der DDR“ bezeichnet veröffentlicht, listete es nicht nur verschiedenste Vornamen auf, es gab auch verschiedenste Hinweise – und befasste sich mit Trends.
Wir wollen Vornamen betrachten, die zu verschiedenen Jahren am häufigsten vergeben wurden und Namen auch mit denen im Vornamenbuch vergleichen.
Im Zuge dessen befassen wir uns in diesem Beitrag mit dem Hauptbuch der Oberschule Groß Laasch, welches von 1955 bis 1999 geführt wurde. Im Jahr 2000 wurden keine Kinder mehr eingeschult und mit dem Ende des Schuljahres am 18.07.2001 wurde die Schule geschlossen.
Dadurch gab es nur vier Schüler mit Geburtsjahr 1993, die 1999 eingeschult wurden. Namentlich Anne-Kathrin, Florian, Konstantin und Martin. Die ersten vier in diesem Buch eingetragenen Schüler hießen Ingrid, Ingrid, Elfriede und Peter. Auch die als sechste eingetragene Schülerin hieß Ingrid und somit stehen drei der vier Ingrids auf der ersten Seite des Buches. Die letzte Ingrid ist zwei Seiten später als 18. eingetragen worden – danach tauchte der Name (in den von uns betrachteten Zeiträumen) nicht wieder auf.
Zum Vergleich der sich ändernden Trends betrachten wir drei Zeitspannen von jeweils acht Jahren und nur die Namen, die mindestens vier Mal in den Zeiträumen vergeben wurden: 1948 – 1955, 1968 – 1975, 1986 – 1993
Es gab:
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4 Mal vergeben (Neun Namen) |
Anke, Günter, Helmut, Ingrid, Katrin, Michael/Maikel, Peter, Reinhard, Susanne |
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5 Mal vergeben |
Brigitte |
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6 Mal vergeben (4 Namen) |
Horst, Manfred, Martin und Hans (Hans, Hans-Günter, Hans-Jürgen, Hans-Peter, Hans-Otto und Hans-Ulrich) |
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7 Mal vergeben |
Gerhard und Helga |
Die meisten der Namen und die häufigsten Doppelungen, tauchen in der ersten Zeitspanne auf. Das betrifft insgesamt zwölf Namen, und alle der fünf bis sieben Mal vergebenen Namen außer Martin. Martin und Michael/Maikel tauchen hingegen nur in der letzten Zeitspanne auf. Im Vergleich gibt es jedoch keinen Namen, der nur von 1968 bis 1975 vergeben wurde. Die einzigen weiteren dieser Namen, die nicht von 1948 bis 1955 vergeben wurden, sind Katrin und Susanne.
Günter, Ingrid, Reinhard, Brigitte, Hans, Horst, Manfred, Gerhard und Helga tauchen jedoch ausschließlich zwischen 1948 bis 1955 auf und Peter ist der einzige Name, der in allen Zeiträumen vergeben wurde.
Auch fällt auf, dass die Namen, die in mehreren Zeitspannen vergeben wurden, in aneinandergrenzenden liegen. Also entweder 1948 – 1955 und 1968 – 1975 oder 1968 – 1975 und 1986 – 1993, nicht aber 1948 – 1955 und 1986 – 1993.
Insgesamt wurden 204 verschiedene Namen vergeben, dabei zählen zum Beispiel Hans, Hans-Ulrich, Hans-Günter als einzelne Namen – unterschiedliche Schreibweisen wie Waltraud und Waltraut oder Carsten und Karsten zählen hier als derselbe Name. Später in Anbetracht der Anfangsbuchstaben zählen Carsten und Karsten jedoch als zwei Namen.
1948 – 1955 waren das 93 verschiedene Namen, 1968 – 1975 62 verschiedene Namen und 73 verschiedene Namen für 1986 – 1993.
Der häufigste Anfangsbuchstabe insgesamt ist das M (28 Mal), darauf folgen A (20 Mal), H (19 Mal) und C (16 Mal). Dagegen sind L und V nur jeweils zwei Mal vertreten und O und Y nur jeweils einmal.
Brechen wir die Anfangsbuchstaben auf die drei Zeiträume auf, fallen auch hier Unterschiede und Gemeinsamkeiten auf. Zur Veranschaulichung folgt wieder eine Tabelle:
1948 – 1955 1968 – 1975 1986 – 1993
Am häufigsten auftretende Anfangsbuchstaben:
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H: 16 Mal |
A: 8 Mal |
M: 12 Mal |
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E: 9 Mal |
M: 8 Mal |
C: 9 Mal |
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A: 8 Mal |
R: 7 Mal |
A: 8 Mal |
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B: 8 Mal |
K: 6 Mal |
S: 8 Mal |
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M: 8 Mal |
S: 5 Mal |
K: 5 Mal |
Am seltensten auftretende Anfangsbuchstaben:
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J, P, U 2 Mal T, V 1 Mal |
B, F, G, N, P, U, Y 1 Mal |
D, H, I, O, V, W 1 Mal |
A und M gehören immer zu den am meisten vergebenen Namen und es gab immer acht verschiedene Namen mit diesen Anfangsbuchstaben – außer in dem letzten Zeitraum in dem das M zwölf Mal vertreten ist.
Die größten Unterschiede gibt es bei B (8 Mal – 1 Mal – 3 Mal), E (9 – 2 – 0), H (16 – 4 – 1), W (5 – 0 – 1). Langsam in der Popularität gefallen ist das I (6 – 3 – 1), langsam gestiegen ist das S (3 – 5 – 8).
Nur wenige Buchstaben sind in keiner Zeitspanne vertreten. Wohl wenig überraschend handelt es sich um: Q, X und Z. Es gibt also keine Quinn, Xavier oder Zainab. Auch das Vornamenbuch ist bei Vornamen für X und Q wenig hilfreich.
Für Q gibt es:
- Quintin, Quintinus, Quint (lat., „der Fünfte“)
- Quirin und Quirinus (lat., „der Lanzenschwinger“)
Zu X:
- Xander (Kurzform von Alexander)
- Xaver, Xavier (span., „Mann aus Xaviero“)
- Xenia (griech., „die Gastliche, Fremde“)
Dahingegen gibt es für das Z deutlich mehr Vorschläge, hier also nur eine Auswahl:
- Zdenka (tschech. Form von Sidonie)
- Zdenko (slaw. Form von Sidonius, „Mann aus Sidon“)
- Zenzi (oberdeut. Kurzform von Kreszentia, Innozentia)
- Ziska, Zissi (Kurzformen von Franziska)
- Zita (lat., „die Schnelle“ / Kurzform von Felizitas)
- Zyprian (lat., „Mann von Zypern“)
Nicht im Vornamenbuch vorhanden sind lediglich die Namen Roe und Wenke.
Der Autor des Vornamenbuches kritisierte verschiedene Namensgebungstrends, unter anderem Doppelnamen durch die Benutzung von Bindestrichen. Es gab insgesamt 15 solche Namen, von denen drei zwischen 1986 – 1993 vergeben wurden und die restlich in der ersten Zeitspanne. Außer „Eva-Maria“ wurde kein Doppelname doppelt vergeben.
Doppelnamen waren an dieser Schule also von vorn herein nicht überaus gängig, verschwanden kurz komplett und tauchten dann vereinzelt wieder auf.
In unserem vorigen Beitrag fassten wir die Beschreibung des Autors wie folgt zusammen: „Als 1. Teil kämen vor: 50 Hans, 27 Karl, 14 Ernst, 8 Heinz und 8 Klaus, 5 Peter, beziehungsweise 17 Anna, 10 Maria/Marie und 6 Ilse. Als 2. Teil gäbe es 3 Hans, 9 Heinz, 10 Peter, beziehungsweise 3 Anna und 23 Marie.“
Als ersten Teil der Doppelnamen gab es an der Oberschule Groß Laasch fünf Mal Hans, drei Mal Klaus/Claus, zwei Karl und Eva und je einmal Wolf, Anne und Sarah. Als zweiten Teil gab es drei Maria und zwei Peter. Die restlichen Namen tauchten jeweils nur einmal auf.
Wie auch in dem Vornamenbuch benannt, gab es deutlich mehr „Hans-“ als andere Namen. Insgesamt tauchen drei der ersten Namen und zwei der zweiten Namen auf. Wenn man Anne für Anna und Maria für Marie zählt, jeweils einen mehr.
Insgesamt gab es einerseits sehr viele Namen die innerhalb der 24 betrachteten Jahre nur ein einziges Mal vergeben wurden, andererseits betrachteten wir nur wenige recht kurze Zeitspannen und eine Schule mit relativ kleinen Jahrgängen, sodass unsere Beobachtungen natürlich nicht wirklich repräsentativ sind.
Trotzdem ist es interessant zu sehen, wie schnell sich die „Namenmode“, ähnlich wie in dem Vornamenbuch beschrieben, wandelte. Sowohl in Betracht von Namen, die komplett verschwanden – oder im Gegenteil „plötzlich“ auftauchten – als auch in Betracht der einzelnen Anfangsbuchstaben.
Im nächsten Beitrag befassen wir uns wieder mit verschiedenen Büchern aus unserer Archivbibliothek.
