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Heftlage und Schriftrichtung

Zu „Heftlage und Schriftrichtung“ von Augenarzt Dr. Paul Schubert, aus dem Jahr 1890 veröffentlichen wir diesen Monat den nächsten Beitrag unserer Beitragsreihe verschiedener „Funde“ unserer Archivbibliothek. Und auch über die nächsten Monate befassen wir uns immer mal wieder mit verschiedensten Veröffentlichungen zu Schrift, Briefschreiben und kurz auch mit der Stenographie.

Kurzgefasst soll es vor allem um die altdeutsche Schrift und deren Erlernen gehen, aber auch etwas um die vergangene „Schreibkultur“, lange vor Handys, Computern und selbst Haustelefonen.

Das Ziel des Werkes ist es, die beste Heftlage in Anbetracht der Gesundheit – vor allem von Augen und Wirbelsäule – zu finden. Die meisten bereits veröffentlichten Werke seien jedoch von und für Ärzte geschrieben und somit wenig zugänglich für alle Personen, die nicht vom Fach kämen. Gleichzeitig würde der Autor sich auf „Grund und Hauptsätze“ konzentrieren, um nicht den Rahmen des Werkes zu sprengen.

Dabei ist natürlich daran zu denken, dass vor allem mit Federn (auch Bleistift und Griffel) geschrieben wurde und nicht mit Kugelschreibern oder dergleichen. Neben der Schrift an sich unterscheidet sich auch der Schreibunterricht in einigen Aspekten zu dem der letzten Jahre und Jahrzehnte.

Obwohl nicht weiter beschrieben, ist davon auszugehen, dass die Heftlagen nur in Bezug zu Rechtshändern entstanden sind – wie die Empfehlungen auch für Linkshänder gelten könnten, und ob sie überhaupt umsetzbar wären, wurde nicht erwähnt.

Beginnen wir also am Anfang – in der Schule. Bevor wir mit dem eigentlichen Schreiben beginnen, sei es natürlich wichtig, eine ideale und vor allem Rücken und Augen schonende Haltung einzunehmen, damit die Gesundheit der Kinder nicht gefährdet würde – so der Verfasser dieses Werkes.

Es gäbe insgesamt vier akzeptable Möglichkeiten, wie das Schreibheft vor einer Person liegen könne: gerade oder schräge Mittellage (also mittig vor dem Körper) oder gerade oder schräge Rechtslage (also etwas nach rechts verschoben). Bei grader Lage sind die Kanten des Hefts parallel zu den Tischkanten auszurichten.

Da nur von Rechtshändern ausgegangen wird, wird ein Verschieben des gesamten Hefts nach links natürlich nicht in Betracht gezogen. Dementsprechend würde das Heft bei Schräglage auch nur nach links gedreht.

Er habe Schreibvorgang und Ergebnisse von Schülerinnen und Schülern beobachtet, die entweder mit mittig liegendem oder nach rechts versetztem Heft schreiben sollten. Dies ergebe, dass bei gerader, mittiger Heftlage nur Steilschrift (also hochkant ausgerichtete Schrift) in Frage käme und bei den drei anderen Möglichkeiten die nach rechts geneigte Schrift die einzige Option sei. Nach rechts geneigte Schrift sei auch die damals am weitesten verbreitete.

Nun stellte er die Frage auf, was davon die gesündeste Schreibweise wäre – und die Beantwortung der Frage scheint recht unkompliziert:

Alle Rechtslagen seien schädlich, da sich der ganze Körper nach rechts ausrichte. Sprich, der Kopf drehe sich nach rechts, ebenso der Oberkörper – wobei sich die rechte Schulter nach unten verschiebe und die linke nach oben – und die Wirbelsäule sei in vielerlei Weise verbogen und verschoben. Auch würden die Augen stärker beansprucht, da die Kinder sich zu nah zum Papier herunterbeugten.

Daher bliebe nur die Mittellage übrig, wobei sich der Kopf auch bei mittiger Schräglage nach links verdrehe. Das Schreibheft müsse also parallel zu den Tischkanten ausgerichtet sein, um eine aufrechte, unverbogene Haltung zu ermöglichen.

Dies hätte also auch die weniger verbreitete Steilschrift als Konsequenz, selbst, wenn diese für Erwachsene durch die Gewohnheit an Schiefschrift unnatürlich wirke. Weitere Kritik bestehe darin, dass für die vor allem geschäftlich benötigte Schnellschrift eine Rechtsneigung natürlicher und einfacher sei. Doch auch hierauf folgte schnell ein Gegenargument:

Die Kinder müssten das Schreiben schließlich erst noch erlernen, schrieben langsamer und eher malend. Beispielsweise verglich er mit Reitunterricht: Einem Schüler, der das Reiten erst erlerne, dem müsse man nicht beibringen, wie sich ein Rennreiter tief nach vorne böge, das sei unnötig, bis das Kind irgendwann in der Zukunft entschließt, Rennreiter zu werden. Das Rennreiten könnte auch dann noch erlernt werden. Es soll also erst einmal Grundlegendes beigebracht werden.

Eine Heftlage für Spezifische Schriften (hier also die Schnellschrift) bringe man nicht zum allgemeinen Schreiben bei. Vor allem, wenn Gesundheitliche Schäden folgten. Außerdem würden Kinder intuitiv zuerst aufrecht schreiben und die geneigte Schrift sei unnatürlich und benötige Übung.

Schlussendlich schließt der Verfasser, dass die Schnellschrift auch im späteren Leben noch erlernt werden könne, solle dies notwendig werden. Dann sei das Wachstum vollendet, die gesundheitlichen Bedenken kein Problem mehr. Gleichzeitig sei ordentliches Schreiben keine Allzwecklösung, auch auf korrekt gebaute Schulmöbel müsse unter anderem geachtet werden.

Das war viel trockene Theorie, doch wie schreiben Sie? Wie haben Sie Schreiben gelernt? Natürlich wird heute überwiegend anderes Schreibwerkzeug benutzt – Kugelschreiber, Gelschreiber und Bleistifte zum Beispiel. Doch sind auch Füllfederhalter noch weit verbreitet und nicht ganz so weit von Federhaltern entfernt.

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04.05.2026