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Das Kleine Vornamenbuch - Teil 2

Auch in diesem Beitrag beschäftigen wir uns mit dem „Kleinen Vornamenbuch“ von Karl Paul aus dem Jahr 1968 – laut Autor das erste Vornamenbuch der DDR.

Diesen Monat betrachten wir Kurz- und Kosenamen, Vornamen aus anderen Ländern und zuletzt die zweite Hälfte einer Auswahl der Namen aus dem Buch.

Kurz- und Kosenamen:

Die Zahl einstämmiger Namen wäre in der Vergangenheit sehr klein gewesen (zum Beispiel Ernst, Karl, Bruno, Gerda). Die Länge der alten zweigliedrigen Namen hätte dementsprechend schon „in sehr früher Zeit“ (nicht weiter definiert) dazu geführt, dass Eltern ihre Kinder mit Kurzformen derer Namen riefen. Diese Kurzformen hätten sich mit der Zeit zu eigenständigen Vornamen entwickelt.

Der erste Teil des Namens würde beibehalten zum Beispiel Wolf aus Wolfram oder man habe Namen zusammengezogen, zum Beispiel Bernd aus Bernhard und Gert aus Gerhart. So entstandene Kurznamen seien dann mit Verkleinerungssilben versehen worden, um Koseformen zu bilden, zum Beispiel Heinrich zu Heinz, Konrad zu Kunz und Ludwig zu Lutz.

Ob auch dies bei männlichen Namen viel häufiger geschah oder ob der Autor aus anderen Gründen nur männliche Namen als Beispiele wählte, wird nicht weiter erwähnt.

Diese Kurzformen seien mit der Zeit zu eigenständigen Namen geworden. Diese Kurznamen wären „gegenwärtig“ sehr beliebt, ließen aber, so kritisiert der Autor, „nicht immer eindeutig das Geschlecht der Namensträger erkennen“ und würden zu „Schwierigkeiten bei den Standesämtern“ führen. Hier müsse zur Eindeutigkeit oft ein zweiter Vorname vergeben. Auch hierzu werden eine Beispiele genannt.

Trotzdem empfahl der Autor, die ganze Form eines Namens eintragen zu lassen und Koseformen in der Familie zu nutzen, denn Koseformen könnten seiner Ansicht nach im Erwachsenenalter lächerlich wirken.

Aus heutiger Sicht hingegen, ist der Gedanke, dass „Heinz“ für einen Erwachsenen lächerlich wirken könnte, mittlerweile eher befremdlich. Im Gegenteil würde der Name Heinz wohl bei einem Baby eher als bei einer 50-jährigen Person auffallen.

Auch Vornamen aus anderen Ländern seien damals recht beliebt gewesen. Es gäbe hierzu viele Nachfragen von Standesämtern und Eltern an die Redaktion und es sei „unerlässlich“ auf Schwierigkeiten hinzuweisen. Die originalen Schreibweisen müssten aufgrund der Rechtschreibregeln beibehalten werden, auch bei anderer Aussprache.

Weiter benennt der Autor Beispiele aus der „Ordnung zur Gewährleistung eines einheitlichen Verfahrens in Personenstandsangelegenheiten“ vom 07.09.1957. So seien Schriftzeichen wie Akzente beizubehalten und bei nicht-lateinischen Schriftzeichen solle nach Klang nach „Lautregeln der deutschen Sprache“ vorgegangen werden. Folgende Beispiele wurden genannt:

  • Charles „tʃɑːrlz“ (englisch), ʃɑrl (französisch)
  • Jacqueline „ʒaklin“
  • Mike und Caroline (englisch), nicht „Maik“ oder „Kärolein“

Der Autor führt weitere Bedenken auf, von denen manche bereits in vorigen Kapiteln genannt wurden.

Eltern sollten überlegen, ob der Name zu Mobbing führen könne und ob der Vorname auch zum Nachnamen passe. Die Namen ließen auch nicht immer auf das Geschlecht des Kindes schließen, obwohl dies gesetzlich vorgeschrieben sei. Auch solle man auf die Bedeutung des Namens achten (zum Beispiel bedeute der Name Perdita „die Verlorene, Hoffnungslose“) und überlegen, ob sich das Kind so entwickeln würde, wie es „die Bedeutung des Namens verlangt“. Auch bei Namen aus Filmen und Schlagern sei Vorsicht geboten, denn diese seien oft Fantasienamen.

Eine Großzahl fremder Namen, die zum Teil schon Jahrhunderte in Deutschland vergeben worden wären, würden nicht mehr als fremd empfunden werden, so zum Beispiel: Andreas, Hans, Klaus, Matthias, Michael, Peter, Thomas, Gabriele, Grete, Petra, Sabine, Susanne und Ursula. Außerdem eröffneten sich durch „zahlreiche Gastbewohner aus nahem und fernem Ausland […] immer neue Sprachgebiete für die Namenwahl“.

Zuletzt folgt nun endlich die zweite Hälfte der Vornamen.

Wie zuvor: die Aussprache wurde, soweit nötig, in Anführungszeichen hinter dem Namen notiert. Daraufhin folgen (meistens) das Herkunftsland, die Bedeutung und weitere Namensformen.

  • Margarete, Margareta (griechisch-persisch), „die Perle“; Nebenform: Margarita; Kurzformen: Greta, Grete, Marga, Margit, Margitta, Margret, Margit, Meta
    • italienische Form: Margherita, französische Form: Marguerite, Kurzform: Margot
  • Maud „mɔːd“, englische Kurzform von: Magdalene, Margarete, Martha, Mathilde
    • Magdalene (hebräisch), auch Magdalena, „Frau aus Magdala“, Kurzformen: Lena, Lene, Magda
    • Martha (hebräisch), „Herrin“, russische Form: Marja
    • Mathilde, jüngere Form von Mechthilde, Kurzform: Meta
  • Mattes, Kurzform von
    • Matthias (hebräisch), „Geschenk Gottes“, weitere Kurzformen: Matthis, Thies, Thieß
  • Michael (hebräisch), „wer ist wie Gott?“, Kurzform: Michel
    • Michail, russische Form, Kurzform: Mischa
    • Mihai, rumänische Form
    • Mihály „‘mihalj“, ungarische Form
    • Mike „maik“, englische Kurzform
  • Narmin (persisch), „die Snafte, Weiche“
  • Sven (schwedisch), „junger Mann“, eingedeutscht: Swen, dänisch: Svend
  • Vilma, ungarische Form von „Wilhelmine“, Weiterbildung von Wilhelma
    • weibliche Form von „Wilhelm“, Kurzform: Wilma
    • Wilhelm (althochdeutsch, willo + helm), „Wille + Helm, Schutz“

In den vergangenen zirka 60 Jahren gab es natürlich viele Veränderungen in der „Namenmode“. Namen, die als ungewöhnlich galten, fallen heute kaum auf. Namen, die ursprünglich als Kosenamen gesehen wurden, sind ganz eigenständige, vollständige Vornamen und Namen die als „fremd“ galten, gehören zum ganz normalen Alltag.

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02.03.2026