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04.08.2015

Theaterstück zum Thema Flucht

Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin: Kulturen begegnen sich bei regionalem Workcamp

4_05 WöbbelinFertigung der Masken
Theaterprojekt Wöbbelin: Fertigung der Masken. Foto: Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin © Foto: Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin

Seit 2014 fördert die Stiftung der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin das Projekt „Hingucken und Einmischen“ des Vereins Mahn- und Gedenkstätten im Landkreis Ludwigslust-Parchim e. V. Im Rahmen des Projektes organisierten die Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin in der letzten Schulwoche ein Regionales Workcamp unter dem Titel „Kulturen begegnen sich“. Die Förderung der Verständigung zwischen Menschen unterschiedlicher Nationen über die Erfahrung mit Geschichte und Kultur stand im Mittelpunkt. Ausgangspunkt war der historische Ort, das ehemalige Gelände des KZ Wöbbelin, an dem Menschen verschiedener Nationen vor 70 Jahren in einem Lager entrechtet und eingesperrt waren. Erfahrungen mit Ausgrenzung und Gewalt gibt es auch in der Gegenwart, viele Flüchtlinge haben in der Familie Erfahrungen mit Gewalt, Ausgrenzung und Entrechtung erlebt.

Vom 13. bis zum 15. Juli 2015 erarbeiteten 22 Schülerinnen und Schüle der 9. Klasse der Lennéschule Ludwigslust ein Theaterstück mit dem Titel „Mosaikasika“ – eine afrikanische Bootsfahrt“, das sich mit der Flüchtlingsproblematik befasst. Die Projektleitung oblag Markus Barwitzki, der mit den Mahn- und Gedenkstätten bereits im Rahmen anderer Projekte zusammengearbeitet hat. Er wurde durch Nikolay Tomov, Emilia Arabadjieva und Vasko Vlasakov von der Nationalen Hochschule für Bühnen- und Filmdesign Plovdiv, Bulgarien unterstützt. Die Jugendlichen arbeiteten in verschiedenen Gruppen in Wöbbelin an der Realisierung des Stückes. Die Darsteller probten auf einer improvisierten Theaterbühne auf dem Gelände des Wöbbeliner Gemeindezentrums. Eine andere Gruppe war für den Kulissenbau zuständig. Mit handwerklichem und gestalterischem Talent fertigten sie unter anderem das Boot, das in „Mosaikasika“ eine zentrale Rolle spielt. Einen technisch ausgefeilten, animierten Hintergrundfilm, der während des Stückes gezeigt wurde, erstellte die Mediengruppe. Weitere Schüler stellten ihre Kreativität bei der Gestaltung der Kostüme und Requisiten unter Beweis. Besonders die kunstvoll gestalteten Masken waren prägend für das Stück und vermittelten afrikanisches Flair.

Die Handlung des Stückes entstammt einem Märchen aus Mali, das mündlich weiter gegeben wird. Zum einen ist es die Geschichte eines Kükens, das in das Land Europa reist, um einen Sack Hirse zurückzuholen, der vom weißen König gestohlen wurde. Auf seiner Reise trifft es auf eine Katze, eine Hyäne und einen Elefanten die aus verschiedenen Gründen unter dem weißen König zu leiden haben. Sie alle reisen in einem Boot über das Meer und gelangen schließlich nach Europa. Zum anderen ist „Mosaikasika“ aber vor allem die Geschichte der gefährlichen Flucht über das Mittelmeer, der sich so viele Asylsuchende aufgrund von Krieg, Verfolgung und Armut aussetzen.

„Mosaikasika“ – eine afrikanische Bootsfahrt“ wurde am 16. Juli um 14 Uhr im Saal des Regionalen Beruflichen Bildungszentrums des Landkreises Ludwigslust-Parchim, in Ludwigslust aufgeführt. Mehr als 100 begeisterte Zuschauer waren anwesend, unter anderem auch Flüchtlingsfamilien, Vertreter der Kirchgemeinde, der Stadt und des Landkreises sowie Freunde und Angehörige. Das Stück hat ein wichtiges Zeichen für Toleranz und Multikulturalität in der Region gesetzt. Die Organisatoren bedanken sich bei allen Helfern und Unterstützern, die zur Realisierung des Theaterprojektes beigetragen haben.

Wir hoffen, dass das Stück noch viele Male aufgeführt wird. Anfragen diesbezüglich können an die Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin gerichtet werden. Eine nächste Aufführung wird es im November auf der Innovationswerkstatt des Vereins geben.

 

Ramona Ramsenthaler, Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin

Kontakt: info@gedenkstaetten-woebbelin.de